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Vibe Coding und Agentic Engineering verschmelzen

Simon Willison reflektiert über eine beunruhigende Entwicklung: Die Grenzen zwischen “Vibe Coding” und verantwortungsvollem “Agentic Engineering” beginnen zu verschwimmen.

Die Definitionen verschwimmen

Vor einigen Wochen definierte Simon Willison den Begriff “Vibe Coding” als einen Ansatz, bei dem man Code schreibt ohne sich den Code genau anzusehen - man gibt dem Agent Instruktionen und hofft, dass das Ergebnis funktioniert. Fuer persoenliche Projekte, wo nur man selbst betroffen ist, kann das pragmatisch sein. Fuer Produktionssoftware, die andere Menschen nutzt, ist das fachlaessig.

“Agentic Engineering” dagegen bezeichnet den professionellen Ansatz: Man nutzt KI-Tools, aber mit 25 Jahren Software-Engineering-Erfahrung im Hintergrund. Man verantwortet Sicherheit, Wartbarkeit, Performance und Operations.

Die neue Realitaet

Willison beschreibt eine ueberraschende Erkenntnis aus seinem Podcast-Gespraech mit Joseph Ruscio: Diese Welten ueberlappen zunehmend. Coding Agents wie Claude Code werden zuverlaessiger in wiederkehrenden Aufgaben. API-Endpunkte mit SQL-Abfragen und JSON-Ausgabe? Claude Code macht das korrekt - mit Tests und Dokumentation.

Das Dilemma: Man muss nicht mehr jede Codezeile reviewen, aber fuehlt sich das noch verantwortlich an? Willison vergleicht es mit dem Umgang mit anderen Teams: Man vertraut deren Code basierend auf Reputation, ohne jede Zeile zu lesen.

Das neue Bewertungsproblem

Ein zentrales Problem: Kuenstliche Intelligenz kann heute ein Repository mit 100 Commits, perfekter README und umfassenden Tests in 30 Minuten erzeugen. Es sieht identisch aus wie Projekte mit echter Sorgfalt. Selbst fuer die eigenen Projekte kann Willison den Unterschied nicht mehr erkennen.

Die Loesung, die sich abzeichnet: Nutzung ist wertvoller als Dokumentation. Ein Vibe-coded Projekt, das zwei Wochen taeglich benutzt wurde, ist vertrauenswuerdiger als ein frisch generiertes Projekt mit perfekten Tests.

Die Bottlenecks verschieben sich

Die Produktivitaetssteigerung von 200 auf 2000 Codezeilen pro Tag veraendert den gesamten Software-Entwicklungszyklus. Design-Prozesse, die aufwendig waren weil Implementierung teuer war, koennen riskanter werden - wenn die Kosten eines Fehlers sinken.

Matthew Yglesias brachte es auf den Punkt: Wir wollen keine vibecoded Software von Unternehmen, sondern professionell gemanagte Unternehmen, die KI-Assistenz nutzen um bessere, guenstigere Software zu produzieren.


Original: Vibe coding and agentic engineering are getting closer than I’d like von Simon Willison auf simonwillison.net