Article

Oetzi der Gletschermann beherbergt noch immer lebende Hefen

archaeologie mikrobiologie oetzi forschung

Lebendige Mikroben aus der Kupferzeit

Forscher des Eurac Research haben in Oetzi dem Gletschermann nicht nur alte DNA gefunden, sondern auch noch lebende Mikroorganismen. Die 5.300 Jahre alte Mumie beherbergt vier Stämme kältetoleranter Hefen (Phenolifera, Glaciozyma, Goffeauzyma und Mrakia), die sich seit dem Tod des Mannes langsam, aber stetig vermehren.

Die Wissenschaftler nutzten Shotgun-Metagenomics und Kultivierungsmethoden, um zwischen antiken Spezies und modernen Kontaminanten zu unterscheiden. In Proben von 2010 und 2019 fanden sie kürzere DNA-Fragmente mit typischen Altersschäden in der älteren Probe, während die neuere Probe längere Fragmente zeigte—ein deutliches Zeichen für kontinuierliches Wachstum.

Ein dynamisches Ökosystem

Oetzi wird bei minus 6 Grad Celsius mit 99 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert—perfekte Bedingungen für diese kälteliebenden Organismen. Drei der vier Hefearten können Phenol abbauen, eine Antipilzbehandlung, die 1991 nach der Bergung angewendet wurde. Dies gab diesen Arten einen evolutionären Vorteil.

Neben Hefen fanden die Forscher auch lebende Pseudomonas-Bakterien mit genetischen Unterschieden zu Bodenproben—sie haben sich an die einzigartigen Bedingungen des Konservierungsraums und des Mumien-Gewebes angepasst. Oetzi ist, wie die Forscher schreiben, kein statisches Artefakt, sondern eine “dynamische biologische Schnittstelle”.

Link: Original bei Ars Technica